SUPRAMATER
Ein Performance-Projekt über Mutterschaft

Wir alle sind Kinder unserer Mütter. Wir wuchsen in ihren Bäuchen, kamen aus ihren Vaginas, tranken von ihren Brüsten, saßen auf ihren Schößen, zerrten an ihren Nerven…

Mütter sehen sich heute vor einen neuen identitären Konflikt gestellt: Sie müssen einerseits dem Modell der fürsorglichen Mutter entsprechen, zugleich sollen sie selbstbestimmt und finanziell unabhängig sein. Diskurse um ‚Herdprämie‘, ‚Rabenmütter‘, und ‚Social Freezing‘ tun ein Übriges. Das Thema Mutterschaft ist im öffentlichen Diskurs moralisch und politisch überfrachtet: Entscheidungen bezüglich Ökobrei, Stilldauer, Tragetuch oder Kinderwagen, Tagesmutter und Kindergarten scheinen nicht nur das Wohl des Kindes und die Karriere der Frau zu betreffen, sondern auch das Wohl der Gesellschaft, die sich durch sinkende Geburtenraten und den daraus resultierenden Fachkräftemangel sowie fehlenden Familienzusammenhalt und Verwahrlosung bedroht sieht. Die Mutter hat immer anwesend und permanent verfügbar zu sein – dieses Schlüsselkriterium guter Mutterschaft bleibt weitestgehend unhinterfragt. Trotz des tiefgreifenden Wandels der Familienstrukturen und der Bemühungen, das binäre Geschlechtermodell zu dekonstruieren, trotz der zunehmenden Akzeptanz vielfältiger Elternschaft und pluralisierter Lebensformen bleibt es die biologische Bestimmung der Frau, Mutter zu werden und Mutter zu sein. Mutterschaft ist die letzte Bastion eines binären Geschlechterdenkens. Dem Mythos nach sind Frauen von ihrem Naturell her Mütter und berufen, in harmonischer Symbiose mit dem Kind zu leben. Ihre Gefühle werden romantisiert und auf Liebe, Zärtlichkeit und die Befriedigung durch Mutterschaft reduziert. Ambivalente Emotionen wie Unlust, Selbstzweifel, Zorn und die Angst zu versagen werden ausgeblendet. Dass sich der weibliche Körper durch Schwangerschaft und Geburt verändert, findet im öffentlichen Diskurs kaum Beachtung.

Das Projekt SUPRAMATER sieht in künstlerischen Praktiken das Potential, eindeutige Wertungen zu umgehen, Ambivalenzen und Widersprüche bestehen zu lassen und naturalisierte Annahmen über Mutterschaft und Familie zu dekonstruieren. Es fragt nach familiären Fürsorgebeziehungen, die von geschlechtlichen und sexuellen Zuweisungen befreit sind und auf Marktimperative keine Rücksicht nehmen. Es erforscht die vielfältigen und eigensinnigen Arrangements und (Gleichberechtigungs-)Praxen von Frauen und Männern, die mit Entweder-Oder (Vollzeitmutter-Karrierefrau) Leitbildern der Gesellschaft brechen.

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Leipzig, Aufführungen Lofft: 24. - 26.10.2016
Dresden, Aufführungen Zentralwerk: 29. und 30.10.2016
Berlin, Theater zukunft: 9. und 10.12.2016

Wiederaufnahme
Berlin, Aufführung Frauenmärz, 08.03.2017; (wir wurden als Eröffnungsveranstaltung angefragt)